Edelgard Bulmahn diskutiert mit SPD Burgwedel über bessere Bildungschancen

Kleinburgwedel. Wie schaffen wir es, dass jedes Kind gute Bildungschancen bekommt – unabhängig vom Elternhaus? Darüber diskutierte die SPD Burgwedel am 1. September im Schützenkrug in Kleinburgwedel mit der ehemaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung Edelgard Bulmahn. Mit dabei war Andreas Strauch, gemeinsamer Bürgermeisterkandidat von SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Moderiert wurde der Abend von Heike Kopietz.

Bulmahn machte deutlich, dass Deutschland bei der Bildungsgerechtigkeit weiterhin vor großen Herausforderungen steht. Besonders schwer wiege der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Die finanzielle und soziale Situation sowie der Bildungsstand der Eltern beeinflussten die Chancen von Kindern erheblich. Ein Migrationshintergrund allein erkläre unterschiedliche Bildungserfolge dagegen nicht.

Wie konkret diese Ungleichheit werden kann, zeige sich auch bei Bildungsentscheidungen: Kinder aus sozial schwächeren Familien hätten selbst bei vergleichbaren schulischen Leistungen schlechtere Chancen auf eine Gymnasialempfehlung. Für Bulmahn ist deshalb entscheidend, nicht erst einzugreifen, wenn Kinder bereits den Anschluss verloren haben.

Besonders alarmierend: Rund sieben Prozent der Schülerinnen und Schüler verlassen die Schule ohne Abschluss – etwa 70.000 junge Menschen pro Jahr.

„Hinter dieser Zahl stehen 70.000 junge Menschen und ihre Zukunft“, sagte Strauch. „Jeder junge Mensch, den wir auf seinem Bildungsweg verlieren, ist einer zu viel.“

Bulmahn warb deshalb für eine frühere und individuellere Förderung. Sprachförderung müsse früh beginnen, der Übergang von der Kita in die Grundschule besser gelingen und Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte enger zusammenarbeiten.

Zugleich warb die ehemalige Bildungsministerin für ein breiteres Verständnis von Bildung. Lesen, Schreiben und Rechnen seien unverzichtbar – aber nicht genug. Junge Menschen müssten lernen, Wissen anzuwenden, Zusammenhänge zu verstehen, Konflikte zu lösen und Verantwortung zu übernehmen. Kreativität, Forschungsgeist, kritisches Denken und soziale Kompetenzen würden gerade in Zeiten künstlicher Intelligenz noch wichtiger.

Als Beispiel verwies Bulmahn auf die kanadische Provinz Alberta, wo neben Lernergebnissen auch Lernfortschritte und Unterstützungsbedarfe systematisch betrachtet werden. Entscheidend sei, früh zu erkennen, wo ein Kind Unterstützung benötigt.

„Keine Schulen erster und zweiter Klasse“

Für Andreas Strauch führt diese Diskussion unmittelbar nach Burgwedel. Als Schulträgerin trägt die Stadt Verantwortung für Gebäude, Sporthallen, Außengelände und wesentliche Teile der Ausstattung – und damit für die Bedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche jeden Tag lernen.

„Für mich darf es in Burgwedel keine Schulen erster und zweiter Klasse geben“, betont Strauch. „Kinder haben unterschiedliche Stärken und lernen unterschiedlich. Unsere Aufgabe ist es, ihnen gute Wege zu eröffnen, statt ihre Chancen frühzeitig zu begrenzen.“

Dieser Anspruch müsse für alle Burgwedeler Schulen gelten. Die IGS Burgwedel leiste mit ihrem pädagogischen Konzept und ihren engagierten Lehrkräften wichtige Arbeit für Kinder und Jugendliche in der Stadt. Diese Arbeit verdiene Rahmenbedingungen, die dem pädagogischen Anspruch der Schule gerecht werden. Dazu gehören zeitgemäße Gebäude und Ausstattung ebenso wie eine langfristige Entwicklungsperspektive.

Für die SPD gehört dazu auch die Perspektive einer gymnasialen Oberstufe an der IGS. Sie würde Schülerinnen und Schülern ermöglichen, ihren Bildungsweg bis zum Abitur an der IGS fortzusetzen.

„Eine starke IGS und ein starkes Gymnasium sind kein Widerspruch“, so Strauch. „Wir brauchen gute Schulen für unterschiedliche Kinder und unterschiedliche Stärken. Bildungsgerechtigkeit bedeutet nicht, dass alle denselben Weg gehen müssen. Sie bedeutet, dass unterschiedliche Wege zu guten Chancen und Abschlüssen führen.“

Bulmahn erinnerte zum Abschluss daran, dass viele Probleme des deutschen Bildungssystems und auch viele Lösungsansätze seit Jahren bekannt seien. Entscheidend sei, Erkenntnisse schneller in praktische Veränderungen zu übersetzen.

Für Strauch gilt das auch vor Ort: „Wir können in Burgwedel nicht jedes Problem des deutschen Bildungssystems lösen. Aber wir können dort Verantwortung übernehmen, wo wir unmittelbar etwas bewegen können. Bildungsgerechtigkeit beginnt vor Ort – hier bei uns in Burgwedel.“