von der Kommune bis zur Weltpolitik: Neujahrsbegegnung 2026
Burgwedelerinnen und Burgwedeler folgten der Einladung zur diesjährigen Neujahrsbegegnung im Wohn-Park Großburgwedel. Im Mittelpunkt standen die politischen Herausforderungen des vergangene Jahres 2025 und kommenden Jahres 2026 – von der kommunalen Ebene über das Land Niedersachsen bis hin zu internationalen Entwicklungen. Durch die Veranstaltung führte Andreas Strauch, Vorsitzender des Ortsvereins.
Tim Wook: Landespolitik mit Blick auf die Kommunen
Der Landtagsabgeordnete Tim Wook gab einen Überblick über zentrale Themen der Landespolitik in Niedersachsen. Ein Schwerpunkt lag im vergangenen Jahr auf der Haushaltsaufstellung und der gezielten Entlastung der Kommunen. Durch das Sondervermögen habe das Land zusätzlichen finanziellen Spielraum gewonnen – allein die Stadt Burgwedel könne daraus mit rund 700.000 Euro profitieren.
Wook ging zudem auf den Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten ein, bei dem Stephan Weil von Olaf Lies abgelöst wurde, sowie auf das Krankenhausinvestitionsprogramm des Landes. Besonders relevant für Burgwedel sei der geplante Neubau des Krankenhauses in Großburgwedel, dessen Baustart für 2027/2028 vorgesehen ist.
Weitere Themen waren die Verlängerung der Amtszeit von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern von fünf auf acht Jahre, umgesetzte Wahlversprechen wie A13 für Lehrkräfte sowie die Einführung der digitalen Lernmittelhilfe ab Klasse 7. Auch die Stärkung des ÖPNV – insbesondere im ländlichen Raum, etwa durch Angebote wie SPRINTI – spielte eine wichtige Rolle. Abschließend betonte Wook die große Bedeutung der Kommunalpolitik und dankte allen, die sich engagieren und auch bei der Kommunalwahl 2026 Verantwortung übernehmen wollen.
Adis Ahmetović: Außenpolitik in einer veränderten Welt
Der Bundestagsabgeordnete und außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Adis Ahmetović spannte den Bogen zur internationalen Politik. Er beschrieb die aktuellen geopolitischen Herausforderungen durch erstarkende Autokratien wie Russland, China und zunehmend auch die USA.
Ahmetović unterstrich die Notwendigkeit, wirtschaftliche Abhängigkeiten abzubauen und Handelsbeziehungen stärker zu diversifizieren. In diesem Zusammenhang sprach er sich klar für das MERCOSUR-Abkommen aus und kritisierte, dass dieses im EU-Parlament in Frage gestellt werde.
Zugleich machte er deutlich, dass wirtschaftliche Stärke nicht durch den Abbau des Sozialstaates erreicht werden dürfe. Beispiele wie das Gesundheitssystem in den USA zeigten die Risiken einer solchen Entwicklung. Auch pauschale Forderungen nach mehr Vollzeitbeschäftigung von Frauen seien aus seiner Sicht zu kurz gedacht. Positiv hob er hervor, dass so viel Geld wie noch nie in Bildung investiert werde – auch wenn die Pro-Kopf-Ausgaben nur moderat gestiegen seien.
Eva Bender: Region gemeinsam gestalten
Eva Bender stellte sich als Kandidatin für das Amt der Regionspräsidentin vor und betonte das große Potenzial der insgesamt 21 Kommunen in der Region Hannover. Ihr Ziel sei es, alle Kommunen gleichermaßen zu unterstützen, etwa beim Aufbau leistungsfähiger Verwaltungen.
Inhaltlich setzte sie Schwerpunkte in den Bereichen Bildung, Ausbildung, Mobilität und medizinische Versorgung. Für die Schulverpflegung sprach sie sich für bessere Qualität aus und brachte die Idee einer Regionsküche ins Gespräch, der sich Kommunen anschließen könnten – mit regionalen Produkten als Basis.
Ein weiterer Vorschlag war die Gründung eines Auszubildendenwerks, das junge Menschen auch beim Thema Wohnraum unterstützt. Zudem plädierte Bender dafür, stärker in die Qualifizierung der Menschen zu investieren, die bereits hier leben, statt Fachkräfte ausschließlich im Ausland anzuwerben.
Beim ÖPNV stellte sie bestehende Verträge – etwa mit Transdev – zur Diskussion. In der medizinischen Versorgung begrüßte sie die bestehende KRH-Strategie mit dem Neubau in Großburgwedel, mahnte jedoch eine ganzheitliche Betrachtung gemeinsam mit DIAKOVERE und der MHH an. Dabei müsse Qualität vor Nähe stehen. Ergänzend schlug sie vor, Gesundheitsschwestern direkt in den Kommunen einzusetzen. Auch eine weitergehende Digitalisierung der Verwaltung sei für sie ein zentrales Zukunftsthema.
Bericht aus der Stadtratsfraktion
Für die Stadtratsfraktion berichteten Joachim Lücke und Susanne Dannhauer über aktuelle kommunalpolitische Themen. Vorgestellt wurden unter anderem Investitionen in das Gymnasium, Sportstätten sowie Gerätehäuser und Ausrüstung der Feuerwehr.
Ein wichtiges Thema war die Lebensberatungsstelle, deren Förderung durch die Region gekürzt worden war. Durch die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden konnte das Angebot jedoch erhalten werden. Auch die Musikschule stand im Fokus: Gesetzliche Änderungen machten zusätzliche Unterstützung notwendig, die bereits für bedürftige Kinder sowie bei der Wartung von Instrumenten umgesetzt wurde.
Mit Blick auf den demografischen Wandel wurde das Altenkonzept vorgestellt. Da ein großer Teil der Bevölkerung bereits über 75 Jahre alt ist, sollen künftig Angebote gegen Einsamkeit sowie für Fitness und Prävention ausgebaut werden. Positiv erwähnt wurde zudem der erneute Überschuss der Sportstiftung, von dem örtliche Vereine profitieren. Außerdem beschloss der Stadtrat die öffentliche Nutzung der Sportanlage auf der Ramhorst sowie die Neuausschreibung der Wartung der Straßenbeleuchtung, die künftig von Enercity statt Avacon übernommen wird.
Dank und Ausblick
Zum Abschluss dankte Andreas Strauch allen Referierenden und Gästen – insbesondere Eva Bender, Adis Ahmetović und Tim Wook – für den offenen Austausch. Die Neujahrsbegegnung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern sowie Politik auf allen Ebenen ist, um die anstehenden Herausforderungen gemeinsam anzugehen, inbseondere der in 2026 anstehenden Kommunalwahl.