Bezahlbares Wohnen: Burgwedel muss seine Chancen nutzen
SPD diskutiert mit Bauminister Grant Hendrik Tonne, Eva Bender und Karl-Heinz Range über weniger Hürden beim Bauen und neue Wohnperspektiven für Burgwedel
Burgwedel. Am 24. August 2026 diskutierte die SPD Burgwedel im Gasthaus am Markt in Großburgwedel darüber, wie bezahlbarer Wohnraum für Familien, junge Menschen, Beschäftigte und Ältere geschaffen werden kann – und wie gute Wohnangebote dazu beitragen können, dem prognostizierten Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken. Mit dabei waren Andreas Strauch, Bürgermeisterkandidat der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen, Niedersachsens Bauminister Grant Hendrik Tonne, Eva Bender, Kandidatin für das Amt der Regionspräsidentin, sowie der ehemalige KSG-Geschäftsführer und Wohnungsbauexperte Karl-Heinz Range. Moderiert wurde die Veranstaltung von Karin Beckmann.
Beckmann skizzierte zum Auftakt die Situation in Burgwedel: Die Stadt ist stark von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägt. Gleichzeitig fehlen bezahlbare Mietwohnungen sowie kleinere und barrierefreie Angebote. Neue Wohnungen entstehen durch Nachverdichtung zwar auch in Großburgwedel, liegen aber häufig im hochpreisigen Segment. Besonderen Handlungsdruck sieht Beckmann in der Bevölkerungsprognose bis 2045. Danach droht Burgwedel innerhalb der Region Hannover besonders stark an Bevölkerung zu verlieren – trotz Bahnanbindung und guter Bildungs- und Versorgungsangebote. Diese Entwicklung ist jedoch nicht unabänderlich: Attraktiver und bezahlbarer Wohnraum kann gerade jungen Menschen und Familien eine Perspektive in Burgwedel bieten.
Niedersachsens Bauminister Grant Hendrik Tonne betonte, dass bezahlbares Wohnen eine gesellschaftliche Grundaufgabe sei. Niedersachsen habe deshalb mit der Novelle der Landesbauordnung bewusst Vorschriften zurückgenommen und mehr Spielräume geschaffen. Stellplatzvorgaben, Genehmigungspflichten und hohe Standards müssten immer wieder darauf geprüft werden, ob sie tatsächlich notwendig seien. Einfacher bauen bedeute nicht schlechter bauen. Das Land könne den Rahmen schaffen – entscheidend sei aber, dass die neuen Möglichkeiten vor Ort auch genutzt würden.
Dazu kommen die landeseigene WohnRaum Niedersachsen, eine ausgeweitete Wohnraumförderung und das Bündnis für bezahlbares Wohnen. Angesichts unterschiedlicher demografischer Entwicklungen brauche es keine Patentlösung, sondern passgenaue Antworten für die Kommunen.
Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigte Karl-Heinz Range. Die Baukosten sind seit 2020 um mehr als 50 Prozent gestiegen; Material, Regulierung und Bauland gehören zu den wesentlichen Kostentreibern. Am Beispiel des „Hamburg Standards“ zeigte Range, welches Potenzial in schnelleren Verfahren, weniger Vorschriften und reduzierten Standards steckt – ohne dabei die Wohnqualität aus dem Blick zu verlieren. Das theoretische Einsparpotenzial liegt bei bis zu 2.000 Euro pro Quadratmeter.
Eva Bender richtete den Blick auf die Region Hannover. Dort fehlen nach den bei der Veranstaltung vorgestellten Zahlen rund 28.000 Wohnungen. Besonders junge und ältere Menschen müssten stärker in den Fokus rücken: Auszubildende und Berufseinsteiger brauchen bezahlbare Wohnungen. Gleichzeitig würden viele Ältere gerne aus einem inzwischen zu großen Einfamilienhaus in eine kleinere, barrierefreie Wohnung wechseln – wenn entsprechende Angebote vorhanden wären. Dadurch könnte wiederum Wohnraum für Familien frei werden.
Für Andreas Strauch ergibt sich daraus ein klarer Auftrag für Burgwedel: „Wir brauchen nicht einfach mehr Wohnraum, sondern den richtigen: bezahlbar, passend für unterschiedliche Lebensphasen und dort, wo er gebraucht wird. Wenn wir jungen Menschen und Familien eine Zukunft in Burgwedel bieten wollen, gehört bezahlbares Wohnen ganz oben auf die kommunalpolitische Agenda. Das Land schafft neue Möglichkeiten – wir müssen den Mut haben, sie hier auch zu nutzen.“
Eine besondere Perspektive sieht Strauch dabei im heutigen Krankenhausgelände in Großburgwedel. Wenn der Krankenhausneubau realisiert und die Fläche eines Tages frei wird, eröffnet sich dort eine große Chance für die Stadtentwicklung. „Wir sollten frühzeitig darüber sprechen, wie dort ein lebendiges Quartier mit unterschiedlichen und bezahlbaren Wohnangeboten entstehen kann. Gleichzeitig dürfen wir nicht sechs oder acht Jahre warten. Wir müssen schon heute dafür sorgen, dass junge Menschen, Familien und Ältere passenden Wohnraum in Burgwedel finden.“
Für die SPD Burgwedel steht nach dem Abend fest: Die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung ist kein Schicksal, das wir einfach hinnehmen müssen. Bezahlbarer und bedarfsgerechter Wohnraum ist ein wichtiger Schlüssel dafür, dass Burgwedel auch künftig eine attraktive Stadt für alle Generationen bleibt.